Wie oft habe ich Jon Krakauers „Into the wild“ gelesen, verschlungen, bin darin versunken? Und nun bin ich hier, auf den Spuren von Alex Supertram – in meinem eigenen „Into the wild“.
Immer schon habe ich mir gewünscht, dass ich in ein Flugzeug einsteige, einschlafe und erst wieder erwache, wenn der Flieger bereits gelandet ist. Tatata – genauso verlief es von Vancouver nach Whitehorse. Im Hostel angekommen, komme ich meiner Pflicht nach, kurz mit meiner Mum zu skypen. Unser erster Skyp-Versuch ist geglückt. Danach schlafe ich sofort ein.
Am nächsten Morgen geht das Abenteuer los. Ich tausche für drei Wochen lang Bett und Matratze gegen Zelt, Iso-Matte und Schlafsack. Zunächst wird ein kleiner Stopp an der Carcross Desert, der wohl kleinsten Wüste der Welt sowie dem Emerald Lake und Bove Island gemacht. Weiter geht es über die Grenze nach Skagway. Yippie, ich bin in Alaska! Skagway ist eine Hafenstadt am Pazifik, deren Altstadt unter Denkmalschutz steht. Nachdem das Zelt aufgebaut ist, gibt es ein original amerikanisches Fichtenbier in einer urigen Bar – guter Einstieg! Nachts wird das ausgeliehene Equipment getestet. Bestanden, das Zelt ist regenfest und der Schlafsack gibt warm.
Gleich nach dem Frühstück startet die Fähre
durch den Lynn Fjord nach Haines. Hier gibt es eine gewaltige Gebirgskulisse der schneebedeckten Chilikat Mountain Range. In dieser Gegend bleibe ich zwei Nächte und sehe sowohl mehrere
Weißkopfseeadler als auch einen Bären auf Lachsfang.
Inzwischen wieder auf kanadischem Boden, geht es in den Kluane National Park, dem größten Nationalpark Kanadas. Beeindruckend ist das riesige Gletschergebiet hier. Vielleicht an dieser Stelle ein kleiner Einschub, mit wem ich denn gerade so unterwegs bin: Eine Österreicherin, ein Holländer sowie ein Amerikanern werden gerade zu meiner neuer Familie. Es ist immer wieder faszinierend wie schnell man unbekannte Menschen ins Herz schließt. Das verspricht eine Menge Spaß.
Weiter über Tok nach Valdez. Die Strecke führt an zahllosen Flüssen, Seen und Gletscher entlang und vorbei am imposanten Wrangell-St. Elias Nationalpark. Dort angekommen, gibt es nahe Valdez eine kleine, schöne Wanderung mit Blick in einen Canyon. Atemberaubend!
Auf nach Seward!Es geht mit der Fähre frühmorgens durch den Prince William Sound. Landschaftlich ist es genial, vorbei am Columbia-Gletscher, doch leider sind sechs Stunden auf einer Fähre extrem lange.
Am nächsten Tag habe ich mich dazu entschieden, einen Tag auf dem Wasser zu verbringen und Seekajak im Kanai Fjord zufahren. Ein Katamaran bringt mich zur Fox-Island. Eingekleidet und startklar wird mir mitgeteilt, dass ich nun evakuiert werde. Ähm, wie bitte? Ein Scherz? Mitgeteilt wird mir, dass es ein Erdbeben in Alaska gab und nun das Tsunami-Frühwarnsystem losging. Oh je! Also, Paddel weglegen, wieder ausziehen beziehungsweise umziehen und Richtung Berg wandern. Bald jedoch kam die Entwarnung und so konnte ich doch noch auf hohe See. Die Bedingungen waren klasse, Sonnenschein pur. Neben der beeindruckenden Landschaft habe ich eine kleine Robbe, Delfine, viele Quallen und einen Seestern gesichtet. Auf der Rückfahrt tummelten sich ein paar Robben auf einem Fels und eine siebenköpfige Orca-Familie schwamm vorbei, um Hallo zu sagen. Einfach ein perfekter Tag!
Anstrengung pur! Heute mache ich meine erste Alpinwanderung seit langer Zeit. Es gilt tausend Höhenmeter in alpinem Gelände zu überwinden und das bei meinem derzeitigen Fitnessstand.
Ich schlage mich nicht schlecht, auch wenn ich sagen muss, dass es sauanstrengend war. Die Anstrengung wird belohnt, der Blick auf den Gletscher ist gigantisch.
Auf in die Hauptstadt! Anchorage wird sicherlich nicht meine Lieblingsstadt, aber abends mal zivilisiert fortzugehen, hat schon was für sich. Es gibt eine kleine Hausbrauerei mit verschiedenen Biersorten J
Nordwärts Richtung Denali-Nationalpark! Darauf freute ich mich besonders, schon allein wegen Alex Supertram. Das riecht förmlich nach Weite, Unendlichkeit, Freiheit. In der Tat habe ich
auch den „Magic Bus“ gefunden und ich staune nicht schlecht über die atemberaubende Natur. Genauso habe ich mir das vorgestellt! Glücklicherweise liefen auch ein paar Wildtiere vor die Linse.
Nachts friere ich zum ersten Mal in meinem derzeitigen Zelt-Zuhause und staune nicht schlecht über den Frost, der am Morgen außen klebt. Jedoch ist die Luft nun so klar und der Himmel so blau,
dass selbst die Einheimischen staunen. Den 6193 Meter hohen Mount McKinley sieht man so klar wie sonst kaum. Kurz steht die Überlegung im Raum, über die Gegend zu fliegen und sich alles von oben
her anzuschauen, doch 400 US$ sind mir für eine Stunde dann doch zu teuer. Schade! Ich hoffe, ich bereue es nicht irgendwann.
Über Fairbanks geht es zu den Chena Hot Springs. Hier herrscht eine andere Welt. Es gibt dort heiße, natürliche Quellen und ist deshalb touristisch beliebt. Ich bin umzingelt von Japanern. Hilfe! Abseits vom Trubel sehe ich aber bei Dämmerung eine Elchmutter mit Jungem. Da musste ich gleich an den Norwegenurlaub vor einem Jahr denken, als ebendiese vor den VW-Bus sprangen. Dieses Mal war es entspannter. Mitten im Wald trabten sie dahin… Nachts wird es bitter kalt.
Einen Schlenker weiter nach oben kommt man zum Nordpol. Ach wie touristisch. Hm, wohnt der Weihnachtsmann nun in Alaska oder in Finnland? Naja, hauptsache beide Punkte können Profit rausschlagen. Heute gibt es auf dem Campingground zum Glück eine heiße Dusche und eine reibungslose Internetverbindung. Was will man mehr? (Glücklich) ...
Das Zelten nervt mich so langsam. Die Temperaturen sinken immer weiter. Es geht auf dem Top of the World Highway über Chicken wieder auf die kanadische Seite. Dawson City - was für ein Städtchen. Noch heute kann man hier nach Gold suchen. Das Schürfen erweist sich aber als viel anstrengender als gedacht, vor allem wegen der kalten Wassertemperaturen. Dennoch werde ich in Claim 33 fündig. Mal sehen, ob ich "mein Schatz" bis in einem Jahr sicher nach Hause bringe. Das Nachtleben in dieser Stadt ist verrückt. Von Casino über Diamond Tooth Gerties (Cancan-Dance-Girls) über zu diversen Pubs. Ach herrje, hier laufen so viele Deutsche rum. Im Down-Town-Hotel bin ich nun offizielles Club-Mitglied. Alles, was man dafür tun muss: Einen kanadischen Whisky bestellen, darin einen uralten, menschlichen Zehen reinlegen, den Zehen mit den Lippen berühren, den Whisky runterschlucken - fertig. Was für ein Spaß. Allerdings kann der kanadische Whisky nicht mit dem schottischen Malt Whisky mithalten.
Noch etwas müde von der gestrigen Nacht geht es weiter nördlich auf den Dempster Highway. Diese berühmte Schotterpiste ist die
einzige Verbindung hoch hinauf nach Inuvik (am Polarmeer gelegen.) Die Zelte werden für die letzten beiden Nächte am Fuße des Tombstone Mountain aufgeschlagen. Eine Wanderung zeigt die
einzigartige Landschaft hier.
Ui, wie schnell das wieder ging. Zurück in Whitehorse bereite ich mich auf meine Weiterreise vor. Hier gibt es eine Internetverbindung, eine heiße Dusche und ein BETT! Was für wunderbare drei Wochen gehen nun zu Ende und ich habe das Gefühl, dass es hier noch so viel zu entdecken gäbe. Das heißt: Ich werde wieder kommen :)


























































































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Mila (Donnerstag, 18 September 2014 09:22)
Sehr schöne Bilder...
Lilly (Freitag, 19 September 2014 20:04)
dann nimmst mich aber mit ;-) ich will auch wieder hin